Öjendorf - Friedhof mit Geschichte


Vom Plan zur Ausführung

Die geschichtliche Entwicklung des Öjendorfer Friedhofs ist mit der des Ohlsdorfer Friedhofs eng verbunden. Als dieser knapp 50 Jahre bestand, wurden die ersten Überlegungen angestellt, ob seine Kapazitäten angesichts der wachsenden Bevölkerungszahlen der Hansestadt auf lange Sicht ausreichen würden. Denn Berechnungen aus dem Jahr 1929 zeigten auf, dass jeweils 1933 und 1943 Friedhofsflächen von jeweils 150 ha erforderlich sein würden.

Nachdem die zwei Möglichkeiten, erstens den Ohlsdorfer Friedhof zu vergrößern und zweitens dessen Fläche besser zu nutzen, ausgeschöpft waren, lag die dritte Lösung nahe: die Einrichtung eines neuen Friedhofs. Man begann mit der Suche nach geeigneten Flächen im Osten des Stadtgebietes.

Noch im gleichen Jahr wurde in Öjendorf, das damals noch zu Preußen gehörte, ein Gelände beiderseits des Schleemer Baches besichtigt, aber z. T. als ungeeignet angesehen. Große Bereiche waren mehrere Meter tief abgetragen worden, konnten daher nicht entwässert werden und waren nicht mehr mit Mutterboden bedeckt. Der damalige Baudirektor Otto Linne vertrat jedoch die Auffassung, dass nur die nichtabgetragenen Flächen für eine Friedhofsnutzung in Frage kämen. Gegen die Bedenken des Baudirektors erwarb die Stadt dennoch für 2,2 Millionen Reichsmark eine Fläche von insgesamt 317 ha.

Bevor die eigentlichen Herrichtungsarbeiten für den Friedhof beginnen konnten, waren umfangreiche Vorarbeiten notwendig: die Regulierung des Schleemer Baches, Böschungsprofilierungen an der vormals abgegrabenen Fläche und die Anlage einer vorläufigen, 11 ha großen Baumschule im Norden des Geländes. So konnte Anfang des Jahres 1933 mit diesen Vorarbeiten begonnen werden, die Herrichtung der Belegungsflächen begann Ende 1934.

Zur gleichen Zeit begann der Bau der Autobahn Hamburg - Lübeck, die das Baumschulengelände durchschnitt. Dies führte in den kommenden Jahren immer wieder seitens der obersten Bauleitung zu Beschwerden, da wiederholt Friedhofsarbeiter ”bäumchentragend” die Fahrbahn überquerten.

Der heutige Friedhof -grüner Reichtum in einem modernen Park

Etwa 15 Jahre nach Beginn dieser ersten Arbeiten, die während des Zweiten Weltkriegs ausgesetzt wurden, forderte die Öffentlichkeit in den 50er Jahren wiederholt die Eröffnung des Friedhofs im Osten Hamburgs, denn es wurden dort künftig über 200.000 Einwohner erwartet. Ein entsprechend großer Friedhof fehlte in diesem Bereich. Bevor es zur Eröffnung am 14. Juli 1966 kommen konnte, waren wiederum umfangreiche Bauarbeiten auf dem Gelände erforderlich. Er wurde als Parkfriedhof konzipiert, in dem ein übersichtliches Wegesystem das Gelände gliedert und die Grabfelder für Besucher und Friedhofsarbeiter auf kurzem Weg erschließt. Der für diese Friedhofsgröße erforderliche und zunehmende öffentliche Verkehr ist auf einer ringförmig angelegten Straße möglich. Ergänzt durch eine Mittel- und einige Stichstraßen ergeben sich in der Regel wenige Meter Fußweg von der Straße bis zur Grabstätte.

Charakteristisch für den Friedhof sind die meist kreisförmigen und gleich großen Rasengrabfelder. Durch die raumbildende Gehölzpflanzung entsteht für jedes Feld der Eindruck eines in sich geschlossenen kleinen Friedhofs in einer großen Parkanlage. Jedes Grabfeld bildet dadurch für sich eine Einheit mit einem eigenen Ordnungsprinzip.

Die Lage der Gebäude wurde auf dem Gelände so gewählt, dass diese mit Unterstützung einer klaren Wegweisung schnell und sicher von Trauergästen oder Besuchern erreicht werden können. Eine geschickte Grundrissgestaltung trennt optisch die öffentlichen Bereiche von den friedhofsinternen.

Städtebaulich gesehen ist der Friedhof Öjendorf ein Teil der Einheit eines ca. 450 ha großen, klar umgrenzten Landschaftsraumes zwischen einer Einzelhausbebauung im Westen und viel befahrenen Verkehrswegen an seinen anderen Grenzen. In diesem Freiraum sind dem Friedhof der Öjendorfer Park, der Wanderweg am Jenfelder Bach sowie kleingärtnerische und landwirtschaftliche Nutzflächen benachbart. Er ist damit ein wesentlicher Bestandteil einer von Menschenhand begrünten Stadtlandschaft. Seine Nähe zu den dicht besiedelten Stadtteilen Billstedt, Horner Geest und Jenfeld lässt ihm eine zusätzliche stadtökologische Bedeutung zukommen. Mit diesem Gestaltungskonzept ist der Friedhof Öjendorf in Deutschland zu einem herausragenden Beispiel neuzeitlicher Friedhofsplanung geworden. Das Konzept vereinigt in optimaler Weise Nützlichkeit und Schönheit und lässt der Natürlichkeit einen weiten Raum.

        


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